Die Klimakommune Saerbeck

Die Klimakommune  

Klimakommune: Was ist das überhaupt?

Klimakommune Saerbeck: Diesen Zusatz zum Ortsnamen tragen wir seit 2009, er ist sogar auf unseren Ortsschildern zu lesen. Genauer gesagt, sind wir NRW-Klimakommune der Zukunft. Mit diesem Titel hat das Landesumweltministerium unser Konzept für lokalen Klimaschutz und Klimaanpassung gewürdigt. Die damit verbundene Förderung hat uns einen entscheidenden Schritt vorangebracht. 150 Einzelmaßnahmen haben wir in unserem Konzept festgelegt, davon sind zwei Drittel jetzt umgesetzt – zum Beispiel haben wir  die Energieerzeugung selbst in die Hand genommen und erzeugen mehr regenerativen Strom als im Ort verbraucht wird.

Wer sind wir?

Saerbeck liegt im Münsterland, ca. 30 Kilometer nördlich von Münster. 7200 Einwohner leben hier und schätzen den dörflichen Zusammenhalt, das ländliche Umfeld und die Nähe zu Oberzentren wie Münster und Osnabrück.  Die Landwirtschaft spielt seit jeher eine wichtige Rolle, zugleich ist Saerbeck wichtiger Standort von Industrie und Gewerbe und etwa  Heimat eines Herstellers von High-Tech-Werkstoffen, die weltweit im Flugzeugbau und in der Windkraftindustrie verwendet werden. Mit der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule verfügt Saerbeck über eine Schule, die ihre Schüler bis zum Abitur führt – und die sich selbstverständlich für den Klimaschutz engagiert.

Was wollen wir?

Begonnen haben wir mit Gedanken, wie wir in öffentlichen Gebäuden effizient und sparsam mit Energie umgehen. Überlegungen zum Hochwasserschutz (durch den Ort fließt der Mühlenbach) führten zum großen Themenfeld Klimaschutz. In unserem Konzept haben wir das Ziel formuliert: Ab 2030 wollen wir mit unserem Energiebedarf (Strom, Wärme, Verkehr) keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen; unser CO2-Fußabdruck ist dann auf null geschrumpft. Wir sprechen  auch von bilanzieller Energieautarkie oder von Klimaneutralität. Die lokale Energiewende ist unser großer Plan und wir sind auf einem guten Weg: Der CO2-Fußabdruck jedes Saerbeckers ist bereits  von 9 Tonnen auf 5,5 Tonnen pro Jahr geschrumpft.

Warum machen wir das?

Wir verstehen unsere Klimaschutzprojekte als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge:  Wir wollen die Voraussetzungen für die tatsächliche Energie-Eigenversorgung im Dorf schaffen.  Zugleich gehen  wir mit gutem Beispiel voran. Wir zeigen: Es geht ohne fossile Energieträger. Und: Jeder kann etwas für den Klimaschutz tun - wir sind schneller und beweglicher als so mancher Big Player im Bereich Energie. Letztlich sind unsere Bemühungen, das Klima zu schützen, ein Generationenprojekt. Wir gehen diese Schritte, damit wir unser Dorf mit gutem Gewissen in die Hände der nächsten Generation geben können.

Wie wollen wir unser Ziel erreichen?

Wir haben die Konversion eines Militärgeländes zu einem Bioenergiepark vorangetrieben.  Hier erzeugen Biomasse, Wind und Sonne regenerativen Strom im großen Maßstab. Die Bürger unterstützen das Projekt und gehen selber mit gutem Beispiel voran: Im Ort gibt es über 400 Photovoltaik-Anlagen auf privaten Dächern.  Als erstes Projekt der Klimakommune haben 2009 Schüler der Gesamtschule ein Solarkataster erstellt.
Wir setzen auf Bildung, um den Gedanken des Klimaschutzes zu verankern. Der Energieerlebnispfad und die Gläserne Heizzentrale machen Zukunftsenergien transparent.  Im außerschulischen Lernstandort Saerbecker Energiewelten (im Bioenergiepark) lernen Kinder und Jugendliche, wie Klimaschutz und Energie zusammenhängen und haben dabei stets den Erfolg der lokalen Energiewende im Bioenergiepark vor Augen.

Wer hat mit angepackt?

In Saerbeck haben  Bürger und Projektverantwortliche von Anfang an einem Strang gezogen. Besucher, die zum ersten Mal bei uns zu Gast sind,  nennen immer wieder die Begeisterung und Identifikation mit dem Projekt, die man im Ort spürt, wenn sie nach ihren Eindrücken gefragt werden. Viele Akteure haben zum Gelingen beigetragen: Die Gemeindeverwaltung, die Fachhochschule Steinfurt, der Förderverein Klimakommune Saerbeck, lokale Investoren, die Landwirtschaft, Bildungsträger wie die Jugendbildungsstätte Saerbeck, die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule, die St.Georg-Grundschule, die Kindergärten, die Bürgergenossenschaft Energie für Saerbeck. Die wichtigsten Akteure können wir nicht namentlich aufzählen: Es sind die Saerbecker Bürger, die sich vielfältig engagieren und das Projekt ideell tragen.

Was haben wir erreicht?

Ganz allgemein gesprochen: Wir haben das Bewusstsein geweckt für den Klimaschutz. Er ist Alltag in Saerbeck und spiegelt sich in vielen Aktivtäten wider. Wir sind gut vernetzt und haben viele Kontakte geknüpft, die uns weiterbringen. Unsere Bemühungen sind inzwischen vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Konkret haben wir die Energiewende beim Strom bereits geschafft.

Was wollen wir noch tun?

Die Fachhochschule Münster wird bis 2019 Speichertechnik erforschen, damit der Saerbecker Strom auch dann zur Verfügung steht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Weitere Themen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden, sind Wärme und Mobilität. Auch hier arbeiten wir an Ideen, um unser Ziel zu erreichen: CO2-frei bis 2030!