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Die Klimakommune Saerbeck stellt sich vor

Energiewende, Klimaschutz und Klimaanpassung ganz praktisch – dafür steht die Gemeinde Saer­beck im nördlichen Münsterland (NRW). Die 7200-Einwohner-Kommune will bis zum Jahr 2030 den Umstieg auf regenerative Energie schaffen und ist auf einem guten Weg. Fünf Jahre nach dem Projektstart 2009 hat man das erste, äußerst symbolträchtige Etappenziel bereits erreicht: In Saerbeck wird mehr regenerativer Strom erzeugt als insgesamt im Ort verbraucht wird.

Ortskern 

Kernprojekt zur Verwirklichung der Klimaschutzziele ist der Bioenergiepark Saerbeck (BEP), der auf dem 90 ha großen Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Bundeswehr errichtet wurde und ein gelungenes Beispiel für die Konversion eines Militärgeländes darstellt. Wo einst Panzermunition und Granaten lagerten, sind heute an einer Stelle Biogas, Photovoltaik und Windkraft konzentriert. Besonders diese Bündelung beeindruckt Gäste stets aufs Neue. Der BEP verfügt über eine elektrische Leistung von 29 Megawatt. 6 MWpeak gehen auf das Konto von Photovoltaikanlagen, die auf den ehemaligen Bunkern errichtet wurden, 21 MW Leistung tragen sieben, 199,5 Meter hohe  Windkraftanlagen bei,  mit jeweils einem MW sind eine Biogasanlage und eine Bioabfallbehandlungsanlage beteiligt. Der CO2-Ausstoß pro Einwohner konnte so von 9 auf 5,5 Tonnen pro Jahr gesenkt werden.

Der BEP hat entscheidend dafür gesorgt, dass das Etappenziel des bilanziellen Überschusses an umweltfreundlich erzeugter elektrischer Energie so schnell erreicht werden konnte. Auch das private Engagement in Saerbeck schlägt hier zu Buche: 400 PV-Anlagen auf privaten Dächern stellen zusammen sogar eine höhere Leistung bereit als die beeindruckende Masse von 24.000 PV-Modulen auf den Bunkern im BEP: Auf 9,89 MWpeak bringen es diese Anlagen, die zugleich deutlich zeigen, wie stark der Gedanke der Nachhaltigkeit in der Bürgerschaft verankert ist. Da das gesamte Stromnetz seit 2012 in kommunaler Hand ist, sind die Voraussetzungen für die faktische Energieautarkie und eine bestmögliche Versorgungssicherheit geschaffen. Ein Baustein dieses ehrgeizigen Zieles sind Projekte zur Speichertechnik, die mittelfristig im BEP umgesetzt werden sollen.

Bioenergiepark 

Fahrplan der Klimaschutzziele ist das Integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept (IKKK) der Gemeinde Saerbeck. Hier sind Großprojekte und Einzelmaßnahmen formuliert. Dank dieses Konzeptes wurde Saerbeck 2009 als NRW-Klimakommune der Zukunft ausgezeichnet – ein zusätzlicher Motivationsschub für den lokalen Klimaschutz, ideell wie finanziell. Inzwischen ist das Saerbecker Engagement vielfach gewürdigt und ausgezeichnet worden: European Energy Award 2010 und 2013, Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2013, Energiekommune 2013, Georg-Salvamoser-Preis 2014. Interessierte aus dem In- und Ausland besuchen das Dorf, um vom Saerbecker Beispiel zu lernen. Unter den Gästen waren schon die Bürgermeisterin aus Fukushima, der Umweltminister der Vereinigten Arabischen Emirate, bundespolitische Prominenz wie Peter Altmaier und Peer Steinbrück und eine Regierungsdelegation aus den US-Bundesstaaten Minnesota und Georgia. 30.000 Besucher hat die Klimakommune im Jahr 2013 gezählt, davon 20.000 bei einem Tag der offenen Tür im BEP.

Das Bürgerengagement und die Identifikation der Bürgerschaft mit den Klimaschutz-Projekten sind ein wesentlicher Baustein des  Erfolges. Die Photovoltaik-Anlage auf den Bunkern wurde als Investment der Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“ errichtet, ebenso eine Windkraftanlage. Die Biogasanlage wird durch Landwirte aus der Region betrieben, die weiteren Investments wurden durch örtliche Investoren getätigt. Ca 70 Millionen Euro sind in den Ausbau des BEP geflossen und bilden ein gutes Beispiel für die lokale Wertschöpfung.  Ein Investor sticht besonders heraus: Es ist die Gemeinde Saerbeck selbst, die über die gemeindeeigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SGW) eine Windkraftanlage errichtet hat und damit nicht nur mit gutem Beispiel vorangegangen ist, sondern in der Zukunft auch etwas für den Gemeindehaushalt tun will. Die Windkraftanlage der SGW gehört somit allen Saerbecker Bürgern.

Presse & Veranstaltungen 

Weitere Projekte des IKKK sind eng in den Alltag eingebunden und führen den Gedanken der Nachhaltigkeit stets aufs Neue vor Augen. So versorgt seit 2010 die Gläserne Heizzentrale mitten im Ort mittels einer Holzpellet-Heizungsanlage Gebäude im Umkreis mit regenerativ erzeugter Wärme. Zunächst wurde das Schul- und Sportzentrum an das Nahwärmenetz angeschlossen, in einem zweiten Schritt folgten 2013 die Kirche, das Pfarrheim und ein Wohn- und Geschäftshaus.  Die Heizzentrale ist zugleich das Informations-Schaufenster der Klimakommune Saerbeck. Hier informieren sich Besuchergruppen über die Saerbecker Projekte, hier findet mit dem Energiestammtisch ein regelmäßiger, offener Bürgertreff statt, bei dem Themen von der Elektromobilität bis zu aktuellen Entwicklungen der Solartechnik im Mittelpunkt stehen. An der Heizzentrale beginnt der Energie-Erlebnispfad, der an zehn Stationen im Ortskern ausgewählte Aspekte der Erzeugung und des Verbrauchs von Energie beleuchtet. Die Stationen wurden mit Saerbecker Bürgern, Schulen, Kindergärten und dem örtlichen Sportverein entwickelt. Ein Highlight des Pfades ist, im Wortsinn, die LED-Flutlichtanlage im Stadion des SC Falke, die zu den modernsten in Deutschland zählt.

Gläserne Heizzentrale & Energie-Erlebnispfad 

Der Erlebnispfad ist ein Beispiel für die facettenreiche Bildungsarbeit, die den Aufbau der „Hardware“ (Windkraft, Biogas, Photovoltaik etc) begleitet hat und den Gedanken der Nachhaltigkeit weiter in die Zukunft führen wird. Schulen und Kindergärten im Dorf haben sich mit konkreten Projekten beteiligt; Schüler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule etwa haben eine Smartphone-App zum Energieerlebnispfad programmiert. Einrichtungen der Erwachsenenbildung sind Multiplikatoren in den älteren Altersgruppen: So hat die ortansässige CAJ-Werkstatt (eine in der Region bekannte Bildungseinrichtung) einen Solar-Workshop für Studenten aus ganz Europa veranstaltet. Jüngstes Projekt in Sachen Bildung ist die Einrichtung eines außerschulischen Lernstandortes auf dem Gelände des BEP, der zu Beginn des Schuljahres 2014 den Betrieb aufgenommen hat. Schließlich ist Saerbeck dank seiner Klimaschutzpolitik auch zum Hochschulstandort geworden: Die FH Münster betreibt, ebenfalls auf dem Gelände des BEP, ein Labor, in dem der Fachbereich Energie·Gebäude·Umwelt zum Thema Biogas forscht.

Schautag Bioenergie

Nach den dynamischen ersten Jahren der Projektumsetzung geht es nun darum, die Projekte zu verstetigen und neue Ideen zu entwickeln. Der Förderverein Klimakommune Saerbeck, der im November 2013 gegründet wurde, bietet Bürgern eine weitere Plattform des Engagements. Er wird  u.a. den außerschulischen Lernstandort unterstützen, indem er den Aufbau und den Betrieb finanziell absichert. An neuen Ideen herrscht kein Mangel: So will man in Saerbeck zum Beispiel verstärkt das Thema der Mobilität in den Fokus nehmen.