Förderbescheid an die SaerVE

Die Gemeinde Saerbeck geht zusammen mit der SaerVE den nächsten Schritt, um in den Baugebieten Hanfteichweg und Alter Reiterhof ein kaltes Nahwärmenetz zu realisieren. Ein Förderbescheid des Bundes über 268.000 Euro macht jetzt den Weg frei zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie. Mit ihr sollen die geologischen Gegebenheiten durch Probebohrungen geprüft und eine Entwurfsplanung des Netzes erarbeitet werden. Das ist wiederum die Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Empfängerin der Förderung ist die SaerVE, die das kalte Nahwärmenetz realisieren und betreiben soll.

Damit setzen die SaerVE und die Gemeindeverwaltung den Beschluss des Rates über die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Kalten Nahwärme um. Nach einer intensiven Diskussion beschloss der Rat im September 2021 einstimmig, dass die beiden neuen Wohnbaugebiete mit einem Wärmenetz auf Basis der Kalten Nahwärme erschlossen werden soll. Die niedrigsten Heizkosten können für die Hauseigentümer nur erzielt werden, wenn alle Gebäude in den beiden Wohnbaugebieten an das Wärmenetz angeschlossen werden. Sowohl der Rat als auch die SaerVE beschäftigen sich mit dem Kalten Nahwärmenetz allerdings noch ein weiteres Mal, wenn die SaerVE nach der Machbarkeitsstudie den konkreten Wärmepreis benennen kann und die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Heizsystemen nachgewiesen wird.

„Ich freue mich über den Förderbescheid an die SaerVE, weil er ein deutliches Signal ist. Die SaerVE nimmt selbst noch einmal ordentlich Geld in die Hand, um das Projekt voranzubringen“, so Saerbecks Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg, „schließlich ist das kalte Nahwärmenetz für uns als Klimakommune der Einstieg in die Wärmewende.“ Das kalte Nahwärmenetz stellt Energie durch Erdwärme bereit und ist damit besonders klimafreundlich. Die Fördersumme deckt gut die Hälfte der Kosten der Studie (Plankosten maximal ca. 500.000 Euro), die andere Hälfte übernimmt die SaerVE. Erstellen wird die Machbarkeitsstudie ein externes Ingenieurbüro.

Nun wird also gebohrt und gerechnet. Ludger Große-Berg, Geschäftsführer der SaerVE, geht davon aus, dass die Arbeiten in den kommenden Wochen beginnen werden.  Dabei stehen u.a. diese Fragen im Fokus: Wie tief muss man bohren, welche Wärmeausbeute ist zu erwarten, wie könnte ein Netz aussehen und vor allem: Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? Für die möglichen Kunden der SaerVE, aber auch für das Unternehmen muss sich das Vorhaben schließlich rechnen.

In dieser Frage sind Bürgermeister Dr. Lehberg und Ludger Große-Berg zuversichtlich. Schon beim Start des Projektes war die kalte Nahwärme für die Hauseigentümer am günstigsten, wenn man alle Kosten (Investition, Unterhalt, Verbrauch) betrachtet. „Der Faktor Wirtschaftlichkeit hat an Bedeutung jetzt noch einmal erheblich zugenommen“, blickt Dr. Lehberg auf die aktuelle Diskussion um die Energieversorgung in der Folge des Ukrainekrieges. Dazu kommt als weiterer Pluspunkt die Versorgungssicherheit: Die Energie wird lokal gewonnen, die Stadtwerke Lengerich (SWL) als weiterer Gesellschafter der SaerVE sind ein starker Partner, der sich mit der Energieversorgung auskennt und in einem Wohngebiet in Hagen a.T.W. bereits Erfahrungen gesammelt hat. Für Bauwillige wird sich der Anschluss lohnen, davon sind der Bürgermeister und der SaerVE-Geschäftsführer überzeugt, allein schon, weil er zu einer höheren KfW-Förderquote für das jeweilige Bauvorhaben berechtigt. Für Dr. Tobias Lehberg als Bürgermeister der Klimakommune Saerbeck spielt der Faktor Klimaschutz eine Rolle, aber auch der Gewinn an Wohnqualität ist ein Argument. Schließlich lässt sich das kalte Nahwärmenetz auch zur Kühlung von Häusern verwenden – die Klimaanlage ist sozusagen eingebaut.

Nach den Sommerferien soll die Studie voraussichtlich vorliegen. Dann geht es erneut in die politischen Beratungen. Im Rathaus ist man zuversichtlich, dass es ein positives Votum für das kalte Nahwärmenetz geben wird. Immerhin wurde der Ratsbeschluss für die Machbarkeitsstudie im September 2021 einstimmig gefasst. Bei einer anonymen Umfrage unter den Grundstücksbewerbern hatten bereits 85 Prozent im Vorfeld einen Netzanschluss im Grundsatz befürwortet.