Gemeinde Saerbeck und EGSt unterzeichnen Liefervertrag / Rohstoff Kompost

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Den neuen Wärmeliefervertrag zwischen der Gemeinde Saerbeck und der Entsorgungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (EGSt) im Bioenergiepark wertet Bürgermeister Wilfried Roos als deutliches Signal, dass in Sachen Klimaschutz in dem münsterländischen Dorf „das Rad alles andere als stillsteht“. Roos wie auch Carsten Rehers, Dezernent beim Kreis Steinfurt und Geschäftsführer des 100-prozentigen Tochterunternehmens EGSt, sehen eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und die Umwelt.

Unterschrieben wurde am Donnerstag eine Vereinbarung, nach der die EGSt überschüssige Wärme aus dem Blockheizkraftwerk (BHKW) ihres Kompostwerks im Bioenergiepark (BEP) an die Saerbecker Grundstücksentwicklungs- und Wirtschaftsförderungs-GmbH (SGW) liefert. Diese Tochter der Gemeinde Saerbeck versorgt durch das gerade komplett erneuerte Nahwärmenetz der Gemeinde die Gebäude der Firmen und Einrichtungen auf dem 70 Hektar großen Gelände, das bis vor zehn Jahren ein Bundeswehrdepot war. Kurioserweise wird die Hauptverwaltung der EGSt mit der Adresse „Im Bioenergiepark 3“ auf diese Art mit ihrer eigenen Wärme beliefert. Weitere Kunden sind etwa die Fachhochschule, die Ledder Werkstätten oder der Lernstandort des Fördervereins Klimakommune.

Vor zehn Jahren hatte die Gemeinde Saerbeck zusammen mit dem aufgegebenen Depot auch das 35 Jahre alte Wärmenetz gekauft und zunächst weiterbetrieben. Hohe Wärmeverluste durch fehlende Isolierungen und Leckagen machten zuletzt einen Neubau nötig. Die Investition von 700.000 Euro und der Betrieb refinanzieren sich durch die Einnahmen für die Wärmelieferung, sagte am Donnerstag Andreas Bennemann. Die 2,6 Kilometer Leitungen und die daran hängende Technik sind auf eine Nutzungsdauer von 50 Jahren ausgelegt, erklärte der Bauamtsleiter der Gemeinde Saerbeck. Die Zahl der Wärmeabnehmer steige. Der Vertrag laufe über 300.000 Kilowattstunden jährlich, den Bedarf von 15 Einfamilienhäusern. Das Netz sei für die doppelte Leistung ausgelegt, benennt Bennemann Reserven für zukünftige Abnehmer von „regional erzeugter Bio-Wärme aus dem Kompost der Haushalte im Kreis“.

Das EGSt-Kompostwerk verarbeitet den Bioabfall aus den Tonnen im Kreis Steinfurt und produziert dabei Gas. Ein Blockheizkraftwerk macht aus dem Gas in erster Linie stetig fließenden Strom, aber auch Wärme. Ein Teil der Wärme wird verwendet, um die biologischen Prozesse in den Rotte-Kammern des Kompostwerks anzuheizen. Einen anderen Teil der Wärme lieferte die EGSt bereits in die alten Leitungen und nun in das neue Nahwärmenetz. „Wir legen es auf eine langfristige Partnerschaft mit der Gemeinde Saerbeck an“, erklärte Carsten Rehers. Die Möglichkeit, überschüssige Wärme zu verkaufen, sei bei der EGSt seinerzeit ein Grund für die Standortentscheidung zugunsten des BEP gewesen.

Rehers und der EGSt-Prokurist Detlev Ridder nennen die Verbindung aus hiesigem Biomüll, BHKW-Strom und Wärmenutzung auch für die eigene Verwaltungszentrale einen „doppelten Doppelpass“. Es sei „die Kunst bei der Energiewende, aus vermeintlichem Abfall noch Energie herauszuholen“, so Rehers. Der Neustart des Wärmenetzes im Bioenergiepark sei Teil der „Klimakommune 2.0“, erklärte Bürgermeister Roos. Man wolle „in andere Dimensionen vorstoßen“.

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Setzten die Unterschriften unter den Wärmeliefervertrag zwischen der Gemeinde Saerbeck und der Entsorgungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (EGSt, von links): Bürgermeister Wilfried Roos, Bauamtsleiter Andreas Bennemann, EGSt-Geschäftsführer Carsten Rehers und Prokurist Detlev Ridder.