Gutes Klima für Laborprüfungen

Versammelten sich vor dem Bunker 37 zur symbolischen Schlüsselübergabe: Prof. Frank Heimbecher (FH Münster), Dr. Melanie Strutz (Kiwa), Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg sowie Martina Krause-Rakers und Andreas Bennemann vom Bauamt der Gemeinde (von links). Das Prüfinstitut Kiwa mit Sitz in Greven untersucht die Festigkeit von Geokunststoffen Wofür ein solcher Bunker nicht alles zu gebrauchen ist: Die Gemeinde Saerbeck hat jetzt einen der insgesamt 74 Luftschutzräume aus Beton, die im Bioenergiepark stehen, an das Grevener Prüfinstitut Kiwa vermietet, das darin die Haltbarkeit von Kunststoffgittern und -geweben untersuchen will. Am Donnerstag war Vertragsunterzeichnung. Genaugenommen sind es Geokunststoffe, deren Zugfestigkeit und Lebensdauer künftig in dem 180 Quadratmeter großen Bunker mit der Nummer 37 (die postalische Hausnummer ist 137) untersucht wird. Das Material wird in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, etwa im Straßenbau zum Abstützen von Wänden.


Aber auch bei der Errichtung von Deichen und Dämmen, in die es in Form von Zwischenlagen verbaut wird
und so für Stabilität sorgt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Textilindustrie. Kiwa prüft im Auftrag seiner Kunden deren jeweilige Produkte und vergibt, wenn diese den vorgeschriebenen Anforderungen entsprechen, zum Beispiel das sogenannte CE-Kennzeichen (Conformité Européenne, französisch für Europäische Konformität). Die Gesellschaft ist ein sogenanntes An-Institut, das eng mit der Fachhochschule Münster zusammenarbeitet. Kiwa hat nach eigenen Angaben 100 Niederlassungen in mehr als 40 Ländern, eine davon in Greven. Das Prüfunternehmen beschäftigt 4500 Mitarbeiter. Für die Laborarbeiten der Kiwa-Prüfingenieure bietet ein Bunker offensichtlich die richtigen Voraussetzungen.


„Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind konstant. Es kommt zu keinen Erschütterungen. Und außerdem ist die Entfernung zu unserem Institut in Greven gering“, fasste Institutsleiterin Dr. Melanie Strutz die Vorteile des Baus zusammen. Ein weiteres Plus ist die Sicherheit, sind die Produkte in einem Bunker, wie Prof. Frank Heimbecher von der FH bemerkt, doch im Allgemeinen vor fremden Blicken geschützt.
Bevor das Institut mit seinen Untersuchungen beginnen kann, soll der schlichte Beton-Bau noch von innen gedämmt werden, berichtet Heimbecher. Im Anschluss werden dann die Prüfeinrichtungen mit  kleinen Lkw herangekarrt. An den massiven Ständern hängen später die unterschiedlichen Proben von Kunststoffkonstruktionen, an die für die Untersuchungen tonnenschwere Gewichte befestigt werden. „Anhand der Verformungen und Dehnungen können wir dann hochrechnen, wie  lange das Produkt hält. Und das für einen Zeitraum von 100 Jahren“, erläuterte der Ingenieur.


Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg zeigte sich bei der offiziellen Schlüsselübergabe erfreut über den neuen Mieter im Energiepark. „Kiwa ist ein interessantes Unternehmen, das gut in das Konzept des Parks passt“, sagte der Verwaltungschef. Erst Ende vergangenen Jahres hat die FH Münster das Gebäude 07 erworben,
um ihren dortigen Forschungsstandort zu erweitern.

Westfälische Nachrichten vom 26.02.2021, Katja Niemeyer