"The Saerbeck Way"

Auf Einladung der amerikanischen Energieagentur ACORE (American Council on Renewable Energy) war Bürgermeister Wilfried Roos eine Woche in den USA als Referent zu einer Vortragsreihe eingeladen. ACORE hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema Erneuerbare Energien in Wirtschaft und Gesellschaft fest zu verankern und vertraut dabei auf gute Beispiele aus der Praxis insbesondere in Deutschland und Dänemark.
Bürgermeister Wilfried Roos auf der USA-Reise

Herr Bürgermeister Roos, war Ihre Mission erfolgreich?

Roos: Als Mission möchte ich meine Reise in die USA nicht bezeichnen. Meine Aufgabe war es, bei den Veranstaltungen, die ACORE organisiert hat, einem interessierten Publikum kommunales Klima- und Energiemanagement und den „Saerbecker Way" eines Nutzungsmixes erneuerbarer Energien vorzustellen.

Warum sind gerade Sie eingeladen worden?

ACORE hat für ihre Veranstaltungen geeignete Referenten gesucht. Der Kontakt lief über die Deutsche Botschaft in Washington, die wiederum beim Bundesumweltministerium angefragt hat. Das Bundesministerium hat die Anfrage an die Umweltministerien der Länder weitergeleitet, und in NRW hat Umweltminister Remmel dann sofort an die NRW-Klimakommune Saerbeck gedacht. So landete dann die ACORE-Anfrage auf meinem Schreibtisch. Die Bayern haben einen Vertreter der Stadtwerke München benannt und aus Baden-Württemberg ist der Energiemanager der Stadt Ostfildern von ACORE eingeladen worden. Gemeinsam sind wir dann in die USA geflogen.

Wie viele Termine haben Sie in den USA wahrgenommen?

Drei Veranstaltungen hatte die ACORE organisiert und zwar in Charlesten (South Carolina), in Charlottesville an der University of Virginia und in Washington. Geplant war jeweils ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Diskussionsrunden und Zeit für Gespräche, das „Networking".

Und das alles auf Englisch?

Ja, alles auf Englisch. Einen Dolmetscher gab es nicht. Aber ich war bestens vorbereitet. Die Präsentation zu Saerbeck, die ich vorgestellt habe, ist wirklich gut bei den Zuhörern angekommen. Sie war genau auf die Fragestellung zugeschnitten - und natürlich ins Englische übersetzt. Im Publikum saßen Vertreter von Städten, Wissenschaftler, Studenten und Vertreter der Energiewirtschaft.

Was hat das Publikum denn besonders angesprochen?

Schon mit der Eingangsfolie konnte ich deutlich machen, worum es uns in Saerbeck geht, nämlich immer um eine ganzheitliche Sicht der Dinge: Es geht um nachhaltigen Klimaschutz und um nachhaltige bezahlbare Energie. Es geht um die Unabhängigkeit in der Energieversorgung und um die Schonung der Ressourcen. Wenn ständig steigende Rechnungen für Strom und Wärme auf Dauer dazu führen, dass es Familien schwer fällt, Schuhe für die Kinder zu kaufen - dieses Bild hat die Amerikaner neugierig gemacht auf das, was wir in Saerbeck tun.

Stand also der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund?

Ja, das kann man so sagen, denn das ist der vorherrschende Denkansatz in den USA. Aber es kommt noch etwas hinzu: Auch das Wie hat die Amerikaner sehr stark interessiert. Das umfassende Konzept, auf dessen Grundlage wir in Saerbeck arbeiten, war überzeugend. Das Bild vom
U-Bahnplan mit den vielen miteinander verwobenen Linien und Haltstellen, die für die vielen Einzelmaßnahmen in Saerbeck stehen, war für die Teilnehmer der Veranstaltungen sehr beeindruckend. Und natürlich die wirtschaftliche Beteiligung der Bürger selbst war für die Amerikaner ein neues, hoch interessantes Modell.

Apropos Modell. Haben Sie auch Bilder aus Saerbeck gezeigt?

Genau. Das war nämlich noch ganz spannend. Gibt es Saerbeck wirklich, war zwischendurch immer wieder eine ungläubige Frage. Dass wir in Saerbeck nicht nur die Ideen und ein schönes Modell haben, sondern schon mitten in der Umsetzung sind hin zu einer klimaneutralen Gemeinde, das konnten sich einige Teilnehmer der Veranstaltungen gar nicht vorstellen - und sie wollen sich das Dorf auf jeden Fall anschauen. Ich bin mir sicher, dass wir bald Besuchergruppen aus den USA hier begrüßen können.

Sie haben bei Ihrer USA-Reise viel über Saerbeck gesprochen. Haben Sie selbst denn auch Erkenntnisse gewonnen?

Auf jeden Fall. Klar geworden ist mir wieder, dass wir in Saerbeck auf dem richtigen Wege sind. Das hat mir die vielfältige Anerkennung gezeigt für das, was wir hier in Saerbeck modellhaft tun. Spannend war auch das „Networking". Ich konnte viele interessante Kontakte knüpfen, insbesondere auch zu Vordenkern in Sachen Erneuerbare Energien in Dänemark.