Vier Jahre nach der Dreifach-Katastrophe

Ausführlich, kenntnisreich und aus dem Blickwinkel des Zeitzeugen: Der Vortrag von Georg K. Löer war ein gelungener Termin im Kalender des Energiestammtisches. Gut 30 Besucher waren am Donnerstagabend in die Bürgerscheune gekommen – trotz des schönen Wetters und anderer Veranstaltungen im Dorf.
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Löer, Leiter des Büros der NRW.INVEST, Gesellschaft für Wirtschaftsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen, in Tokio, informierte umfassend über die Reaktorkatastrophe von Fukushima und rückte dabei die deutsche Perspektive auf die Ereignisse ein wenig zurecht.

In der öffentlichen Wahrnehmung in  Japan, so Löer, spielen der Tsunami und seine Folgen eine mindestens ebenso große Rolle wie die AKW-Havarie. Das zeige sich auch in den politischen Folgen des Reaktorunglücks. Auch wenn sich die Betroffenen in Fukushima Sorgen machen um die Zukunft ihrer Kinder und viele ihre Heimat verloren haben und der Mythos der sicheren Atomkraft zerstört ist:  „Es gibt in der Bevölkerung in Japan keinen Anti-Atomenergie-Konsens so wie in Deutschland.“ 

Die Lobby der Energieversorger und der Hersteller der Kraftwerke sei weiterhin sehr stark und bestens vernetzt; zudem gebe es keine nennenswerte, einflussreiche ökologische Gruppierung in der Politik. Eine Energiewende nach deutschem Muster mit Atomausstieg werde es in Japan auf Sicht nicht geben, auch wenn das Wiederanfahren der AKWs ein langwieriger Prozess sei.

Trotzdem gewinnen die Erneuerbaren Energien in Japan an Bedeutung.  Löer geht davon aus, dass diese im neuen Energiemix in Japan neben den fossilen Energien und einer AKW-Grundlast einen festen Platz bekommen werden. „Das Beispiel Saerbeck hat großes Interesse in Fukushima gefunden“, berichtete Löer.  Er hatte sich vor seinem Vortrag die Saerbecker Klimaschutzprojekte angesehen und war entsprechend beeindruckt.

Besonders spannend waren Löers persönliche Erlebnisse vom Tag des Erdbebens am 11. März 2011. „Das war ein Freitagnachmittag, wir hatten gerade Besucher aus Bochum und Düsseldorf verabschiedet, da bebte die Erde. In einem ruhigen Moment bin ich mit den Mitarbeitern raus aus dem Gebäude und auf eine Grünfläche. Die Nachbeben hörten nicht auf. Das war wie ein Wackelpudding.“